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Gold im Depot: Absicherung oder Bauchgefühl?

10 % Gold neben dem Welt-ETF: Ich habe 55 Jahre Kursdaten nachgerechnet, auch gegen 10 % Tagesgeld. Was Gold wirklich dämpft und was es kostet.

5.405 Dollar im Januar, 4.145 Dollar Ende September

Am 29. Januar 2026 kostete eine Feinunze Gold beim Londoner Fixing 5.405 US-Dollar, so viel wie nie zuvor. Am 28. September waren es 4.145 Dollar, knapp ein Viertel weniger. Wer in Euro rechnet, hat davor ein Jahr erlebt, das es an der Börse selten gibt: 2025 stieg Gold um 48 %, der MSCI World um knapp 7 %.

Solche Zahlen wecken zwei Reflexe gleichzeitig. Der eine sagt: Das hätte ich haben müssen, jetzt kaufe ich nach. Der andere sagt: Gold ist nach dem Rückgang billig, jetzt erst recht. Beides ist Bauchgefühl. Die sachliche Frage dahinter ist älter: Gehört ein kleiner Goldanteil neben den Welt-ETF, damit das Depot in Krisen weniger tief fällt?

Ich bin mit einer These in die Rechnung gegangen: 5 bis 10 % Gold senken die Schwankung eines Aktiendepots, kosten aber auch Rendite, und als Hauptanlage taugt Gold nicht. Der letzte Teil hat gehalten, die ersten beiden nur mit einem Haken:

Mit 10 % Gold schwankte ein Welt-Aktiendepot seit 1972 in jedem Zehnjahreszeitraum weniger, aber das hätten 10 % Tagesgeld genauso geschafft. Die Dämpfung kommt vor allem daher, dass ein Zehntel nicht in Aktien liegt. Gegenüber reinen Aktien hat Gold in knapp zwei Dritteln der Zeiträume Rendite gekostet, gegenüber Tagesgeld in knapp zwei Dritteln Rendite gebracht. Gegen Bundesanleihen war es ungefähr ein Unentschieden. Wer ohnehin einen Teil außerhalb der Aktien halten will, für den ist Gold eine ernsthafte Möglichkeit neben Tagesgeld und Anleihen. Wer das nicht will, braucht es nicht.

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Zehnjahreszeiträume, in denen 10 % Gold weniger brachten als reine Aktien

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Zehnjahreszeiträume, in denen 10 % Gold mehr brachten als 10 % Tagesgeld

31 Jahre

bis Gold den Stand von Ende 1980 nach Inflation wieder erreichte

Was ich gerechnet habe

Die Rechnung ist so gebaut, dass sie ein deutscher Anleger mit einem Welt-ETF, einem Gold-ETC und einem Tagesgeldkonto hätte nachmachen können. Alles in D-Mark beziehungsweise Euro, vor Steuern und Kosten.

Gold: der offizielle Londoner Goldpreis (LBMA Gold Price), jeweils das letzte Fixing des Jahres beziehungsweise Monats. Bis 2000 habe ich den Dollarpreis zum Jahresendkurs in D-Mark umgerechnet, ab 2001 nehme ich den Euro-Preis direkt.

Aktien ab 2001: der MSCI World in Euro mit wieder angelegten Dividenden (Net Return), also das, was ein thesaurierender MSCI-World-ETF vor Kosten abbildet.

Aktien 1972 bis 2000: Für die Zeit vor 1999 liefert MSCI keine öffentlichen Monatsdaten in Euro, und die Euro-Reihe mit Dividenden, die ich abrufen konnte, beginnt Ende 2000. Ich habe deshalb dieselbe Quelle genommen wie für meinen Entnahmeplan-Artikel, die Jordà-Schularick-Taylor Macrohistory Database: Aktien aus 16 Industrieländern mit Dividenden, nach Wirtschaftsleistung gewichtet und in D-Mark umgerechnet. Das ist nicht der MSCI World, liegt im Schnitt aber nah dran: In den 20 Jahren, für die ich beide Reihen habe (2001 bis 2020), kam diese Mischung auf 4,5 % im Jahr, der MSCI World auf 4,6 %. Einzelne Jahre weichen allerdings deutlich voneinander ab.

Tagesgeld: bis 2020 der deutsche Geldmarktzins aus derselben Datenbank, ab 2021 der Euro-Tagesgeldsatz €STR der EZB im Jahresdurchschnitt. Das ist das, was ein Geldmarkt-ETF vor Kosten bringt. Ein normales Tagesgeldkonto zahlt oft weniger.

Das Depot wird einmal im Jahr, zum Jahresende, auf die Zielaufteilung zurückgesetzt. Hat Gold ein gutes Jahr hinter sich, verkaufst du Gold und kaufst Aktien nach, und umgekehrt. Der Zeitraum reicht von Anfang 1972, dem ersten vollen Jahr nach dem Ende der Goldbindung des Dollars im August 1971, bis Ende August 2026.

Das Ergebnis über 55 Jahre

DepotRenditeSchwankungEinbruch
100 % Aktien9,2 %18,0 %−41,6 %
95 % Aktien, 5 % Gold9,3 %17,1 %−38,1 %
90 % Aktien, 10 % Gold9,4 %16,2 %−35,7 %
90 % Aktien, 10 % Tagesgeld8,8 %16,2 %−36,1 %
80 % Aktien, 20 % Gold9,5 %14,8 %−30,9 %
100 % Gold7,6 %23,2 %−58,3 %

1972 bis August 2026, nominal in D-Mark/Euro, jährlich ausbalanciert, ohne Kosten und Steuern. Rendite: pro Jahr. Schwankung: Standardabweichung der Jahresrenditen. Einbruch: größter Verlust vom Höchststand bis zum Tief, gemessen an den Jahresendständen; mit Monatswerten fällt er tiefer aus.

Über den gesamten Zeitraum hat Gold also nicht gebremst, sondern leicht beschleunigt, und bis zu einem Anteil von 20 % ist die Schwankung mit jedem Prozentpunkt Gold gesunken. Das sieht nach einem Gratis-Mittagessen aus. Zwei Dinge relativieren es: Die vierte Zeile zeigt, dass 10 % Tagesgeld die Schwankung genauso stark dämpfen. Und das kleine Renditeplus hängt, wie weiter unten zu sehen, am Startjahr 1972.

Die Dämpfung kommt vom Nicht-Aktien-Anteil

Ein Beispiel aus 2008, dem schlechtesten Aktienjahr der Reihe. Du hast zu Jahresbeginn 100.000 € im Depot.

2008, Depot 100.000 €Veränderung
100 % MSCI World−37.642 €
90 % MSCI World, 10 % Gold−33.046 €
90 % MSCI World, 10 % Tagesgeld−33.496 €

Mit dem Goldanteil fehlen am Jahresende 4.596 € weniger als mit reinen Aktien. Davon kommen 3.764 € allein daher, dass 10.000 € gar nicht erst in Aktien lagen; das Gold selbst stieg 2008 um 8,3 % und hat 831 € beigesteuert. Mit Tagesgeld zu damals 3,8 % Zins wäre das Depot nur 450 € schlechter weggekommen.

So sieht es über die ganze Reihe aus. Ich habe jeden Zehnjahreszeitraum mit Startjahr 1972 bis 2017 einzeln gerechnet, 46 Stück. Mit 10 % Gold schwankte das Depot in allen 46 weniger als mit reinen Aktien. Mit 10 % Tagesgeld aber ebenfalls in allen 46, und in 38 davon sogar etwas weniger als mit Gold. Dass Gold und Aktien kaum im Gleichschritt laufen (die Korrelation der Jahresrenditen lag 1972 bis 2026 bei −0,07), hilft, doch das gilt für Tagesgeld genauso. Verlässlich ist sie auch nicht: 1972 bis 2000 lag sie bei −0,18, seit 2001 bei +0,19.

Mit Bundesanleihen sieht es ähnlich aus. Für sie habe ich Daten nur bis 2020: Von 1972 bis 2020 kamen 90 % Aktien mit 10 % Bundesanleihen auf 8,6 % im Jahr bei 16,5 % Schwankung, mit 10 % Gold auf 8,8 % bei ebenfalls 16,5 %. In den 40 Zehnjahreszeiträumen mit Startjahr bis 2011 brachte Gold in 22 mehr als die Anleihen, schwankte aber in 33 stärker.

Das Polster ist also vor allem eine Frage der Aufteilung, nicht des Goldes. Was Gold dem Tagesgeld voraushat, zeigt sich an anderer Stelle.

Was Gold dem Tagesgeld voraushat

Mehr Rendite, meistens. In 30 der 46 Zehnjahreszeiträume brachte das Depot mit 10 % Gold mehr als das mit 10 % Tagesgeld. Über die ganzen 55 Jahre 9,4 gegen 8,8 % im Jahr.

Kaufkraft bei hoher Inflation. In den 1970ern, mit Inflationsraten in Deutschland von bis zu 7 %, verloren die Aktien Kaufkraft. Von Anfang 1972 bis Ende 1981 blieb aus einem reinen Aktiendepot nach Inflation 1 % weniger übrig, als man eingezahlt hatte. Mit 10 % Tagesgeld waren es 2 % mehr, mit 10 % Gold 24 % mehr. Auch der tiefste Einbruch nach Inflation fiel mit Gold kleiner aus: 1972 bis 2020 −41 % gegen −44 % mit Tagesgeld und −50 % mit reinen Aktien.

Steuern. Zinsen auf dem Tagesgeld versteuerst du jedes Jahr, sobald der Sparer-Pauschbetrag verbraucht ist. Gewinne aus einem Gold-ETC mit Lieferanspruch sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei (mehr dazu unten). Meine Tabellen rechnen vor Steuern, der Vorsprung von Gold gegenüber Tagesgeld wird nach Steuern eher größer.

Dafür hat ein Tagesgeldkonto einen Vorteil, den keine Tabelle zeigt: Nominal verliert es nie etwas. (Der Geldmarktzins in meiner Rechnung lag 2019 bis 2022 leicht unter null, ein Tagesgeldkonto zahlte in diesen Jahren meist einfach nichts.) Gold hat zwischen Herbst 2012 und Ende 2013 in Euro gut ein Drittel verloren, allein 2013 30 %, in einem Jahr, in dem die Aktien 21 % zulegten.

Gegen reine Aktien: mal teuer, mal ein Gewinn

Gegenüber dem reinen Aktiendepot brachte das Depot mit 10 % Gold in 29 der 46 Zehnjahreszeiträume weniger, in 17 mehr. Die Spanne reicht von 2,1 Prozentpunkten weniger pro Jahr (Start 1980) bis 2,4 Prozentpunkten mehr (Start 1972). Zwei Zeiträume zeigen, wie weit das auseinandergeht.

1980 bis 2000. Gold hatte sich 1979 in einem Jahr mehr als verdoppelt und stieg im Januar 1980 auf seinen damaligen Rekord von 850 Dollar. Danach fiel es über zwei Jahrzehnte, mit einzelnen Zwischenhochs, während die Aktien in 18 von 21 Jahren zulegten. Gerechnet habe ich ab dem Jahresendkurs 1979 von 512 Dollar, also nicht ab dem Rekord. Aus 10.000 € Anfang 1980 wurden:

10.000 € von 1980 bis 2000EndwertRendite p. a.
100 % Aktien214.709 €15,7 %
90 % Aktien, 10 % Tagesgeld182.809 €14,8 %
90 % Aktien, 10 % Gold157.930 €14,0 %

Ein Zehntel Gold hat in diesem Zeitraum fast 57.000 € gekostet, mehr als ein Viertel des Endwerts, und auch gegenüber Tagesgeld fast 25.000 €. Mit 10 % Bundesanleihen wären es 15,0 % im Jahr gewesen.

2001 bis 2026. Jetzt umgekehrt: Gold startete Ende 2000 bei 296 € je Unze, nicht weit über seinem Tief von 1999, und die Aktien kurz nach dem Gipfel der Dotcom-Blase. Danach kamen zwei Aktiencrashs und ein Gold-Boom.

10.000 € von 2001 bis Aug. 2026EndwertRendite p. a.
100 % MSCI World52.201 €6,6 %
90 % MSCI World, 10 % Tagesgeld47.905 €6,3 %
90 % MSCI World, 10 % Gold60.647 €7,3 %
100 % Gold133.002 €10,6 %
Rendite pro Jahr, mit und ohne 10 % GoldZwei Zeiträume, zwei gegensätzliche Ergebnisse
1980–2000: 100 % Aktien15,7 %
1980–2000: mit 10 % Gold14,0 %
2001–2026: 100 % Aktien6,6 %
2001–2026: mit 10 % Gold7,3 %

Eigene Berechnung, nominal in D-Mark/Euro, jährlich ausbalanciert, ohne Kosten und Steuern. Aktien bis 2000: JST Macrohistory Database, ab 2001: MSCI World Net Return EUR. Gold: LBMA Gold Price. 2026 bis Ende August.

Und das kleine Plus über die ganzen 55 Jahre? Es hängt am Startjahr. Fast der ganze Vorsprung stammt aus 1972 bis 1974, als Gold nach dem Ende der Dollarbindung jedes Jahr um mehr als 45 % stieg. Beginnt die Rechnung 1975, kostet der Goldanteil bis heute 0,2 Prozentpunkte im Jahr, ab 1980 0,4. Und das Plus gibt es nur mit Ausbalancieren: Wer 1972 10 % Gold kaufte und liegen ließ, lag am Ende mit 9,1 % im Jahr knapp hinter dem reinen Aktiendepot; sein Goldanteil war da längst auf unter 5 % geschrumpft.

Wer seine Meinung zu Gold aus den letzten 25 Jahren bildet, hält es für die bessere Aktie. Wer sie aus den 20 Jahren davor bildet, hält es für totes Kapital. Beides ist ein Zufall des Startpunkts. Gold hat keine eingebaute Rendite: Es zahlt keine Dividende und keine Zinsen, sein Ertrag ist allein der Preis, den der Nächste dafür zahlt. Aktien wachsen dagegen mit den Gewinnen der Unternehmen. Deshalb erwarte ich von Aktien langfristig mehr, auch wenn Gold ein Vierteljahrhundert lang besser war.

Als Hauptanlage: nein

Ab hier hat die These ohne Abstriche gehalten. Über die ganzen 55 Jahre brachte reines Gold 7,6 % im Jahr gegen 9,2 % bei den Aktien, bei einer höheren Schwankung von 23 % gegenüber 18 %. Und der größte Einbruch war mit 58 % deutlich tiefer als bei Aktien mit 42 %. Aus einem Startbetrag wurde mit Aktien das 123-Fache, mit Gold das 54-Fache.

Schlimmer als der Durchschnitt ist die lange Durststrecke. Wer Ende 1980 Gold kaufte, sah seinen Einstiegswert in D-Mark beziehungsweise Euro erst Ende 2008 wieder, 28 Jahre später. Rechnet man die Inflation heraus, dauerte es bis Ende 2011, also 31 Jahre. Zwischen 1980 und 2000 verlor Gold nach Inflation 4,5 % pro Jahr, also mehr als die Hälfte seiner Kaufkraft. Wer mit 40 in Gold als Altersvorsorge eingestiegen wäre, hätte zum Rentenbeginn weniger Kaufkraft gehabt als am Anfang.

Wenn Gold, dann so

Das Produkt. In der EU gibt es wegen der Streuungsregeln für Fonds keine Gold-ETFs im eigentlichen Sinn. Gold wird hier über ETCs gehandelt, Schuldverschreibungen, die durch Gold gedeckt sind. Für Anleger in Deutschland zählt vor allem, ob das Papier einen Anspruch auf Gold verbrieft und nicht nur auf Geld, wie Xetra-Gold und Euwax Gold II mit ihrem Recht auf Auslieferung. Dann behandelt das Finanzamt es wie einen Goldbarren: Nach mehr als einem Jahr Haltedauer ist der Gewinn steuerfrei. So hat es der Bundesfinanzhof 2015 für Xetra-Gold entschieden und 2020 für ein weiteres Gold-Papier bestätigt, bei dem der Anleger zwischen Gold und Geld wählen kann. Verbrieft ein ETC dagegen nur einen Anspruch auf Geld, gilt er als Kapitalforderung, und die Gewinne unterliegen der Abgeltungsteuer. Welcher Fall vorliegt, steht in den Emissionsbedingungen des Produkts. Vorsicht bei echten Gold-ETFs aus der Schweiz: Das sind Fondsanteile, und deren Gewinne hat der Bundesfinanzhof 2021 für steuerpflichtig erklärt, auch nach einem Jahr. Welche Produkte es gibt und was sie kosten, steht in unserer Übersicht zu Rohstoff-ETFs und Gold-ETCs.

Die Kosten. Für Xetra-Gold fallen 0,025 % des Xetra-Gold-Bestands pro Monat plus Mehrwertsteuer an, rund 0,36 % im Jahr; ob die Depotbank das weiterberechnet, hängt vom Broker ab, manche übernehmen es. Euwax Gold II hat keine laufenden Kosten, dafür ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis breiter. Bei einem Goldanteil von 10 % machen 0,36 % Kosten auf das ganze Depot gerechnet 0,036 Prozentpunkte im Jahr aus. Das ändert am Ergebnis dieser Rechnung nichts.

Das Ausbalancieren. Ohne Nachstellen gibt es kein Plus, das hat die Rechnung oben gezeigt. Nach einem Jahr wie 2025 ist der Goldanteil von 10 auf gut 13 % gewachsen; wer dann nichts tut, hat unbemerkt mehr Gold im Depot, als er wollte. Ich würde einmal im Jahr zurücksetzen. Steuerlich passt das gut zusammen: Gold-ETCs mit Lieferanspruch, die du länger als ein Jahr hältst, verkaufst du steuerfrei. Verkaufst du früher, zählt der Gewinn zu deinem Einkommen und wird mit deinem persönlichen Steuersatz besteuert, es sei denn, alle solche Gewinne im Jahr bleiben unter der Freigrenze von 1.000 €. Das ist eine Freigrenze, kein Freibetrag: Ab 1.000 € ist der ganze Gewinn steuerpflichtig. Für die Aktien-ETF-Seite gelten die üblichen Regeln, siehe meinen Artikel zu Steuern auf Kapitalerträge.

Meine Einschätzung

Die ehrliche Antwort auf „Gold als Absicherung?“ lautet: Die Absicherung kaufst du mit jedem Anteil, der nicht in Aktien liegt. Gold ist dafür nicht besser als Tagesgeld oder Anleihen, aber auch nicht schlechter, und es hat zwei Stärken, die Tagesgeld fehlen: Es hat sich in der Inflation der 1970er gehalten, und seine Gewinne sind nach einem Jahr steuerfrei. Dafür kann es, anders als Tagesgeld, über Jahre deutlich fallen.

Ich würde deshalb so entscheiden: Wer ohnehin 10 % außerhalb der Aktien halten will, weil ihn ein Crash sonst zum Verkaufen treiben würde, kann dafür Gold nehmen statt Tagesgeld oder Anleihen, oder mischen. Wer gelassen durch einen Crash kommt, braucht weder das eine noch das andere. Ein reiner Welt-ETF lag in 29 der 46 Zehnjahreszeiträume vor beiden Mischungen und ist einfacher. Den Notgroschen ersetzt Gold ohnehin nicht, der gehört aufs Tagesgeld.

Was ich nicht tun würde: Gold kaufen, weil es gerade gestiegen ist, oder weil es gerade gefallen ist. Der Rekord vom Januar sagt über die nächsten zehn Jahre so wenig wie der von 1980 über die 20 Jahre danach. Wenn Gold, dann als feste Quote, die du jedes Jahr zurücksetzt, egal, was der Preis macht.

Ich selbst habe aktuell 2 % Gold im Depot.

Häufige Fragen zu Gold im Depot

In meiner Rechnung hat schon 5 % die Schwankung merklich gesenkt, 10 % stärker, 20 % noch stärker. Über die ganzen 55 Jahre lag sogar 20 % Gold vorn. Je mehr Gold, desto mehr hängt die Rendite aber davon ab, ob du in einer guten oder schlechten Goldphase anfängst: 1980 bis 2000 kostete ein Anteil von 20 % mehr als drei Prozentpunkte im Jahr. Ich würde deshalb nicht über 10 % gehen; das ist eine Abwägung, keine Grenze, die sich aus den Zahlen ergibt.

In akuten Inflationsphasen wie den 1970ern hat Gold die Kaufkraft besser gehalten als Aktien und Tagesgeld. Über Jahrzehnte war es aber kein verlässlicher Schutz: Zwischen 1980 und 2000 verlor es nach Inflation mehr als die Hälfte seines Werts, obwohl die Preise in Deutschland in dieser Zeit weiter stiegen. Für die Kaufkraft über 20 oder 30 Jahre halte ich einen breiten Aktien-ETF für den besseren Schutz.

Steuerlich sind Barren, Münzen und ETCs mit Lieferanspruch gleich: Nach mehr als einem Jahr Haltedauer ist der Gewinn steuerfrei. Beim ETC brauchst du kein eigenes Schließfach und keine eigene Versicherung, die Verwahrung steckt in der Gebühr oder in der Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Und er lässt sich im Depot mit einem Klick ausbalancieren. Für einen Depotanteil von 10 % ist das der praktischere Weg. Wer Gold für den Fall halten will, dass das Finanzsystem selbst ausfällt, kauft Barren, das ist aber eine andere Überlegung als die in diesem Artikel.

Aus meiner Rechnung lässt sich kein guter Zeitpunkt ablesen. Der Nutzen des Goldanteils entsteht über die Jahre durch das Ausbalancieren, nicht durch einen geschickten Einstieg. Wer sich für eine feste Quote entscheidet, kann sie jederzeit aufbauen, auch schrittweise über einen Sparplan.

Quellen

  • LBMA: LBMA Gold Price PM, historische Tageswerte in USD und EUR, abgerufen am 29.09.2026
  • MSCI: MSCI World Index (Net Return, EUR), Monatsendwerte Dezember 2000 bis August 2026, abgerufen am 29.09.2026
  • Òscar Jordà, Moritz Schularick, Alan M. Taylor: JST Macrohistory Database, Release 6 von 2022 (Aktienrenditen, Staatsanleihen, Geldmarktzins, Wechselkurse, Verbraucherpreise), abgerufen am 28.09.2026; Jordà et al.: „The Rate of Return on Everything, 1870–2015“, Quarterly Journal of Economics, 2019
  • Europäische Zentralbank: Euro Short-Term Rate (€STR), Tageswerte 2021 bis August 2026, abgerufen am 29.09.2026
  • Bundesfinanzhof: Urteile vom 12.05.2015, VIII R 35/14 (Verkauf von Xetra-Gold) und VIII R 4/15 (Einlösung von Xetra-Gold); Urteil vom 16.06.2020, VIII R 7/17 (Gold Bullion Securities); Urteil vom 12.04.2021, VIII R 15/18 (Schweizer Gold-ETF)
  • Deutsche Börse Commodities: Xetra-Gold, Verwahrentgelt, Stand 2026
  • Boerse Stuttgart: Euwax Gold II, Kostenstruktur, Stand 2026
  • § 23 EStG (private Veräußerungsgeschäfte, Freigrenze 1.000 € seit 2024, Wachstumschancengesetz vom 27.03.2024)

Hinweis: Dieser Artikel ist meine persönliche, nach bestem Wissen durchgerechnete Einschätzung, keine Anlage- oder Steuerberatung. Alle historischen Zahlen sind Rückrechnungen vor Kosten und Steuern; vergangene Renditen sagen nichts über künftige.